Gute Mädchen kommen in den Himmel, Böse überall hin

Brandung – das Theaterstück nach dem Roman von Maria Milisavljevic ist ein Krimi, ein Thriller, eine Liebesgeschichte, ein Jugendstück, eine Geschichte über die Frage der Herkunft und Identität und vieles mehr.

Im Saal erwartete einen bereits eine hübsche Meerjung(frau), die sich nicht dabei stören ließ, sich auf der Bühne zu flanieren und diese zu bewässern. Als sie verschwand, wurde es dunkel und auf einmal: Vlado, Martina, Ich! Ihre Freundin Karla ist verschwunden, seit gestern, vorgestern… Die drei Figuren suchen nach Karla, die eines Abends nur noch schnell zum Supermarkt um die Ecke gehen wollte, um Streukäse für den WG-Abend einzukaufen. Doch sie kam nicht mehr zurück. Bitte komm zurück!        

An diesem Abend im Kapuzinertheater Luxemburg waren wir schon von der Begrüßung und der Einführung positiv überrascht. Offen, nett und ganz locker erklärte der Regisseur den gespannten Gästen zu Anfang, was ihm an dem Stück, aber auch am Inszenieren allgemein interessiert, wie er die Geschichte aufgefasst hat und welchen Bezug sie zu ihm hat. Diese hörten ihm aufmerksam zu und betraten anschließend mit gespannter Vorfreude den Theatersaal.

Die Chance, sich direkt mit dem Regisseur und später auch mit den Schauspielern unterhalten zu können, bekommt man nicht oft und so nutzten wir diese so gut wie möglich. Denn es gab im Anschluss doch einige Fragen, die die Geschichte aufgeworfen hatte. Wie stirbt sie denn nun eigentlich? Was hat es mit dem Kaninchen auf sich? Wie kommt man auf die Idee, seinen Musiker so zu verkleiden und was soll bitte der Lippenstift auf den Augen?

Der Regisseur Christopher Rüping bevorzugt Themen, die ihn berühren und davon fand er in der Geschichte viele. Die Themen Freundschaft, Liebe aber auch Herkunft und Identität beschäftigen ihn und auch viele von „uns“. Die Umsetzung der Komplexität der Themen beeindruckte. Es gibt keinen typischen Dialog, der Roman wird schlichtweg von den Schauspielern vorgelesen. Und so muss man sich zunächst mit einer Masse von Text anfreunden, die man nicht hätte schneller sprechen können. Man gewöhnt sich allerdings schnell an das „Wortkonzert“.

Und hat man sich einmal in dem Stück zurechtgefunden, ist man gefesselt und will den Saal nicht verlassen, bevor es kein Ergebnis gibt. Unterstützt wird dies auch durch das Bühnenbild, von dem auch der Regisseur selbst sehr angetan war. Es unterstrich die Vielschichtigkeit. Je mehr Eisplatten schmelzen und zu Boden krachen, umso klarer wird das Geschehen. Nach und nach können sich die drei Figuren ein Bild von dem Abend, an dem Karla verschwunden ist, machen. Die Schauspieler gewinnen unsere volle Aufmerksamkeit. Man kann sich gut mit den Personen identifizieren und die Angst vor dem Verlust wird deutlich. Durch eine Art Monolog von Martina wird klar, wie sehr sie das Geschehen belastet und dass es nicht das erste Mal ist, dass die beiden Geschwister mit solch einer Situation umgehen müssen. „Es gibt keinen guten Zeitpunkt, um zu gehen.“

Zusammenfassend kann ich sagen: Das Stück hat alle meine Erwartungen übertroffen und ich kann es nur weiterempfehlen. Gefesselt von der Geschichte und absolut fasziniert von einer so modernen und kreativen Interpretation, warte ich nun auf das Buch, das hoffentlich bald geliefert wird…

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