Le Pont löst Begeisterung im Uni Hörsaal aus

Am zweiten Festivaltag feierte die französischsprachige Theatergruppe der Universität des Saarlandes mit „La Colonie“ von Marivaux gleichzeitig ihre Premiere. Die inselreife Bühnenschlacht zwischen Männern und Frauen brachte das buntgemischte Publikum des Öfteren zum begeisterten Applaudieren und Lachen. Wie die Stimmung bei den Schauspielern während und nach ihrem Auftritt stand, verraten sie Grrrrr im Interview.

Grrrrr: Was bedeutet es für euch, eure Premiere beim GraFiTi-Festival zu feiern?

Alexander (Regisseur): Es bedeutet uns sehr viel. Es ist schön, ein Teil eines mehrsprachigen Theatererlebnisses zu sein und das auch mit internationalen Studentengruppen ausleben zu dürfen.

Louise (Arthénice): Das GraFiTi ist immer ein besonderes Event, bei dem wir schon öfters mitgewirkt haben. Hier treffen sich internationales Studententheater und ein breiteres Publikum als bei einer uniinternen Aufführung. Die Festivalzuschauer bestehen aus durchaus kritischeren Schauspielkollegen, da schlägt das Herz schon mal schneller.

Hava (Mme Sorbin): Ich war sehr zufrieden mit der Premiere. Wir waren alle textsicher und, offen gesagt, es war der beste Durchlauf, den wir hatten. Das macht Mut für die weiteren Aufführungstermine am 22./23./24.06.2015. Da werden wir noch besser werden. Es lohnt sich also wiederzukommen, schon allein, um die Vielschichtigkeit des Stückes vollkommen erfassen zu können.

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Grrrrr: Wie habt ihr das Stück ausgewählt und daran gearbeitet?

Alexander: Die Entscheidung fiel gemeinsam in der Gruppe. Es standen mehrere Themen und Stücke zur Auswahl. Weil wir in den letzten Jahren immer eigene Texte geschrieben haben, stand uns der Sinn nach einem fertigen Werk. Mit Marivaux sind wir da ganz gut gefahren, den kannten wir schon. Außerdem spiegelt der stückinterne Clinch zwischen Männern und Frauen ein aktuelles und hochbrisantes Thema wider. Das ließ der Gruppe genug Spielraum für eigene Gedanken, die wir dann in der Rahmenhandlung verarbeitet haben.

Steve (Persinet): Wir haben uns im Vorfeld viel mit Genderdebatten beschäftigt. Nach extrem viel Brainstorming, Improvisationsübungen und Sekundärliteratur ist dann das Stück peu à peu entstanden.

Louisa: Für uns alle war es streckenweise sehr schwer, den Text zu verstehen. Vor allem für Nichtmuttersprachler war es unerlässlich, sich intensiv mit dem Inhalt auseinanderzusetzen. Ich habe teilweise gar nicht verstanden, was ich da eigentlich sage. Da ich ja aber schon drei Jahre lang bei Le Pont mitspiele, bin ich diese Arbeit schon gewöhnt. Sie war zwar anstrengend, doch am Ende ist für alle etwas Positives herausgekommen.

Hava: Marivaux‘ Stück endet eher negativ für die Frauen. Das wollten wir am Ende nicht so stehen lassen, wir leben heute immerhin in einer gleichberechtigten Gesellschaft. Also haben wir mir der Rahmenhandlung und Arthur als Showmaster dem ursprünglichen Ende noch einmal eine aufheiternde Note gegeben.

Grrrrr: Wer hat die beste Rolle?

Constanze (Lina): Ich natürlich (lacht). Ich habe mich riesig gefreut, die Rolle der Lina spielen zu dürfen. Sie ist das kleine, süße Mädchen, das überspitzt dargestellt werden kann.
Das hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Alexander: Ja, innerhalb der Marivaux-Handlung ist sie ein extrem interessanter Charakter. Meine Lieblingsfigur des gesamten Stückes ist jedoch Schopenhauer, weil er auch wortwörtlich ins andere Geschlecht schlüpft. Doch ganz ehrlich: Solch ein kompliziertes Stück würde nicht funktionieren, wenn nicht alle an einem Strang gezogen hätten. Chapeau also an alle Schauspieler!

Zeit zum Feiern findet die 15-köpfige Crew wohl erst am 24.06., nach zwei weiteren Aufführungen und der Derniere.
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