Musikalisches Beziehungsdrama im Theatersaal

Bühne 1 dieser Name steht für eine ganz besondere Theaterkooperation.
Beheimatet in der rheinland-pfälzischen Stadt Trier begegnen sich hier Menschen unterschiedlicher Disziplinen und Studiengänge, um sämtliche Facetten eines Theaterereignisses abzudecken. Mit Falk Richters Stück „Play Load“ bespielte das Ensemble schauspielernd und musizierend die Schwierigkeiten zwischenmenschlicher (Liebes-)Beziehungen. In Plexiglaskäfigen sitzend untermalte ein musikalisches Trio aus Bassist, Gitarrist und Schlagzeugerin die szenische Darstellung, die sich um Beziehungsthemen drehte. Brillant inszeniert von Lea Walde und Till Thurner wurde das Publikum in einen aufgeladenen Fragensog hineingezogen: Wie viel bin ich bereit für meinen Gegenüber zu geben? Was nehme ich dafür? Wie nahe kann und will ich einem Menschen sein? Wie viel Abhängigkeit kann ich mir erlauben? Und: Was will ich eigentlich? Das quantitativ eher schwach besetzte Publikum wollte seinerseits am Ende der Aufführung nicht mehr aufhören zu applaudieren. Ein Zeichen von guter Qualität! Wie die Trierer das Ereignis empfanden (und noch viel mehr!), haben sie Grrrrr im Nachgespräch verraten.

Grrrrr: Wir haben heute Morgen mitbekommen, dass es ein paar Probleme gab mit der Theatersaaltechnik? Seid ihr trotzdem zufrieden mit dem Ergebnis?
Sven (Musiker): Wir sind eigentlich sehr zufrieden mit dem Ergebnis, trotz anfänglicher technischer Schwierigkeiten. Wir mussten wegen der räumlichen Gegebenheiten auf eine „Nottechnik“ umsteigen und konnten nicht abschätzen, wie es laufen würde. Zum Glück hat alles funktioniert wie es sollte – ergo: Wir sind glücklich!

Grrrrr: Und ihr Schauspieler? Wie hart war euer Weg bis hierher?
Lea (Darstellerin): Die Arbeit hat extrem viel Spaß gemacht und war gleichzeitig sehr herausfordernd. Wir waren ja nur zwei Schauspieler und das hat den Druck und die Verantwortung erheblich gesteigert. Da mussten wir viel Kraft und Zeit reinstecken neben unserem Studium. Zum Teil hatten wir wirklich acht Stunden am Tag Probe. Da kamen Till und ich schon ab und zu an unsere Grenzen.

Till (Darsteller): Dem kann ich mich anschließen. Aber jedem aus dem Team erging das wohl so. Wir sind ja Studenten aus unterschiedlichen Fachrichtungen. Wir haben Leute der Fachhochschule mit an Bord, die Modedesgin und Intermediales Design studieren. Die haben sich speziell um das Bühnenbild gekümmert.

Grrrrr: Wie entstand euer buntgemischtes Ensemble?
Michael (Projektverantwortlicher): Die Bühne 1 entstand 2007 aus dem Festival „Maximierung Mensch“ heraus, das in Kooperation mit der Uni Trier und dem Stadttheater verwirklicht werden konnte. Es war gender-, alters- und kulturübergreifend ausgerichtet und erweckte den Wunsch, sich auch weitergehend damit zu beschäftigen. 2008 kam es dann bereits zur ersten größeren Produktion. Die Resonanz war überwältigend, junge Leute kamen wieder ins Theater, was für Trierer Verhältnisse nicht selbstverständlich ist. Das gab uns die Motivation weiterzumachen und seither jedes Jahr mit einer neuen Studioproduktion aufzuwarten. Finanziert werden wir aus Drittmitteln, das heißt: kleines Budget; aber wir haben auch das große Glück unsere Projekte als Studierende autonom gestalten zu können, ohne dass uns die Intendanz den Riegel vorschiebt.

Grrrrr: Wie lange habt ihr an eurem aktuellen Projekt gearbeitet?
Michael: An „Play Loud“ haben wir intensiv zwei Monate gearbeitet, mit dramaturgischem Vorlauf sind es fast drei Monate. Und es geht weiter: Wir sind zum zweiten Mal in Folge zur Frankfurter Sommerwerft eingeladen, wo wir unser Stück spielen dürfen. Dass wir es überhaupt spielen dürfen, ist an und für sich ein Privileg. Richters Stück wurde bisher nur in französischer Sprache uraufgeführt und dass wir als studentische Theatergruppe den deutschen Bühnenboden damit bereichern, ist nicht selbstverständlich. Deswegen freuen wir uns umso mehr! Obwohl wir auch ziemlich viel dran geschnipselt und Sachen uminterpretiert haben. Das ist unser Verständnis von Theater: Künstlerische Freiheit im Ausdruck und in der Interpretation eines Werkes anstelle schlichter Rezitierung des Textes.

Grrrrr: Wie war es für euch in Saarbrücken zu spielen?
Michael: Da viele von uns aus dem Saarland sind, haben wir uns sehr über die Teilnahme am GraFiTi-Festival gefreut. Gerne und immer wieder!

Nina Roob

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